Halbzeit.

Ein komisches Gefühl. In 6 Monaten bin ich wieder in Deutschland. Der Gedanke ruft definitiv gemischte Gefühle hervor. So sehr ich mich auch auf Zuhause freue, ich bin auch zu 100% sicher, dass ich mein amerikanisches Zuhause vermissen werde. Aber das sind jetzt schon zu viele Emotionen für einen Blogbeitrag.

Der Winter weiß hier gerade nicht so ganz, was er will. Vorletzte Woche noch war es um die 0° Fahrenheit, letzten Samstag dann auf einmal 63°. Total verwirrend. Und man sollte meinen, dass es auch eher ungünstig ist, wenn man an besagtem Samstag einen Ice Fishing Contest veranstalten will – wer in der Schule aufgepasst hat, weiß ja, dass man dafür meistens Eis braucht und das Eis bei 63° Fahrenheit eher selten ist. Aber da muss man ja nicht so kleinkariert sein – wir hatten nämlich beides. Ich muss allerdings zugeben, dass es ein äußerst seltsames Gefühl war, im T-Shirt auf dem Eis unterwegs zu sein.

Ich habe angefangen, Sport zu machen. Freiwillig. Ja, ich weiß, man kann es eigentlich gar nicht glauben. Und nein, es hatte natürlich nichts damit zu tun, dass ich mein World Horizon T-shirt anhatte und es etwas enger war, als ich es in Erinnerung hatte. Ich bin meiner Gastfamilie auch insgeheim sehr dankbar, dass es im ganzen Haus keine Waage gibt. Man muss sich ja nicht deprimieren.

Damit gleich zum nächsten Punkt: Fast Food ist böse. Und glaubt mir, hier ist es viel gemeiner als Zuhause. Zuhause kann man sich für ein paar Euro einfach was beim Bäcker holen, wenn man nichts zum Mittagessen hat. Hier ist die Auswahl entweder Burger für $2 oder Salat für $5. Großartig. Entweder man spart oder man isst gesund – beides zusammen ist tendenziell eher nicht möglich.

Vermissen werde ich allerdings auch diese Akzeptanz für ungesundes Essen. Zuhause hätte ich mich schlecht gefühlt, wenn ich mir Mikrowellenessen „gekocht“ hätte, hier ist das Standard. Ich möchte auch wirklich niemanden kritisieren, ich koche schließlich auch echt selten. Es ist einfach zu teuer –  der Tütensuppentotalitarismus hat alle fest im Griff. Und für mich kommt noch hinzu, dass die Zutaten einfach nicht die gleichen sind. Kein Schmand, kein Quark, keine ungesalzene Butter.

Vor ein paar Wochen war in Frankenmuth, meiner geliebten Bayern nachahmenden Stadt, das alljährliche Snowfest. Man muss sagen, dass einige dieser Statuen sehr beeindruckend waren.

Amerikaner haben viel öfter ihre Tiere im Haus als Deutsche. Das kommt mir jedenfalls so vor. Ich habe allein schon zwei Mal bei Leuten übernachtet und hatte irgendwann im Laufe der Nacht eine Katze im Bett. Nicht, dass ich Katzen nicht liebe, aber ich hätte in diesem Fall mein Bett dann doch lieber für mich. Ich Egoist. Immerhin waren es nette Katzen. Nicht wie die Katze meiner Freundin. Die  sieht auf den ersten Blick aus wie ein großes weiches Marshmallow. Doch der erste Eindruck kann täuschen. Ich glaube, die Natur hat so versucht, ihr diabolisches Inneres auszugleichen. Jedes Mal, wenn sie unerwartet hinter mir auftaucht, verspüre ich den Drang, mich schnellstens in Sicherheit zu bringen.

Ich hatte glaube ich schon einmal erwähnt, dass ich Schnarchen hasse. Und das gilt schon für sanftes, leises Schnarchen. Am letzten Freitag musste ich mich direkt neben einen Ventilator legen, um das Geräusch zu übertönen. Und hatte ich schon erwähnt, dass zwischen mir und dem Übeltäter eine geschlossene Tür lag? Ja, dieses Schnarchen hätte ohne Probleme einen ganzen Wald fällen können. Dass mir die glorreiche Idee, das Zimmer zu wechseln, erst um 1 Uhr morgens eingefallen und ich 4 Stunden später wieder aufstehen musste, hat meine Stimmung auch nicht direkt aufgehellt.

Schon vor Jahren war mir klar, dass ich im Kegeln ein hoffnungsloser Fall bin. Vor Kurzem ist mir noch einmal deutlich vor Augen geführt worden, dass das gleiche auch fürs Bowlen gilt. Gut, es hätte mir vielleicht helfen können, die Kugel richtig zu halten, das ist mir aber erst aufgefallen, als es schon zu spät war. Mein Motto: Ganz oder gar nicht. Entweder erzielte ich einen Strike oder eilte weiter mit großen Schritten auf den Titel Pudelkönigin zu. Den hatte ich mir am Ende des Abends aber auch wirklich redlich verdient.

In der Daycare zu arbeiten und drei Gastschwestern zu haben, hat mir eins klar gemacht. Ich möchte Kinder. Auf jeden Fall. Allerdings nicht allzu bald. Auch wenn sie alle sehr süß sind, ich habe dann doch auch manchmal gerne Kleidung, auf die kein Baby seine Spucke verteilt hat.

Ich freue mich darauf, wieder mit Freunden ein Bier trinken gehen zu können. Das klingt, als wäre ich ein Alkoholiker, aber minderjährig zu sein ist hier wirklich ätzend. Die meisten Leute, die ich kenne, sind über 21 und wollen logischerweise dann am Wochenende auch einfach mal in eine Bar oder einen Club gehen – in die ich überhaupt nicht hineindarf. Manchmal fühle ich mich, als wäre ich wieder 15. Obwohl, nicht mal da war das ein Problem, weil ich ja auf dem Dorf… ähm, vergessen wir das.

Autoversicherung ist glaube ich zum verhasstesten Wort in meinem Wortschatz geworden. Obwohl ich für das nächste Semester rund $400 weniger zahlen muss, ist es trotzdem noch unverschämt viel. Ich glaube nicht, dass ich mich so schnell wieder über die Preise im ÖPNV beschweren werde. Ich genieße lieber das Leben in vollen Zügen als mit einem leeren Geldbeutel.

Wisst wie komisch ist, die Namen von Kinderserien auf Englisch zu hören? „Spongebob Squarepants“ oder „Pippi Long Stocking“. Das klingt einfach nicht richtig.

Falls irgendjemand Lust auf etwas Romantisches hat, hier ein Link: https://www.youtube.com/watch?v=2LdLquHvwkE&list=PL-iG8zsC7SShHZhbaDbli8dCBI0IRxOlD&index=1. Gott, das hat sich wirklich etwas seltsam angehört. Es handelt sich dabei um ein Video von der Hochzeit einer meiner Camperinnen, die auch ein Buch geschrieben hat. (Kann man auf Amazon käuflich erwerben;)

Und noch ein weiterer Link, falls ihr noch mehr über unser Camp erfahren wollt: https://www.youtube.com/watch?v=HTKx1vqzIVE. Das ist ein Bericht von der Serie „Treehouse masters“, die im Sommer unser Camp besucht haben. Es geht um unser All Accessible Treehouse, das man sogar mit einem Rollstuhl erklimmen kann.

So, das war jetzt aber genug Werbung. Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Tag, genießt die Zeit ohne mich, eure Tage sind gezählt!

 

PS: Das Beitragsbild ist übrigens am Cottage meiner Gastfamilie – es ist zwar nicht Florida, aber trotzdem ein Träumchen.

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