Up to the UP!

Up to the UP – für alle, die das nicht wissen, das ist der obere Teil von Michigan. U.P. steht dabei für „upper peninsula“, während ich gerade im „lower peninsula“ lebe. Up to the UP als zweiter Trip, den ich mit dem Fowler Center unternehme. Und ich bete, dass er nicht so desaströs wird wie der letzte.

Wir starten Freitag um 10 und haben eine ziemlich lange Fahrt vor uns. 4 Stunden, um zur „Mighty Mackinaw Bridge“ zu kommen, dem Verbindungspunkt der beiden peninsulas. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto, schauen wir uns ein Fort der britischen Truppen aus der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs an. Ich bin erstaunt. Gut recherchiert und objektiv dargestellt, vielleicht ist ja doch noch etwas Hoffnung da für das amerikanische Bildungswesen.

Anschließend gehts über die Brücke und nach dem Abendessen machen wir uns auf den Weg zu einem Cottage von Freunden des Camps, in dem wir übernachten. (Kurzer Einschub – ich muss mich mal über amerikanische Pizza auslassen. Sie ist weich, manchmal gefühlt nicht durchgebacken, der Teig bestimmt 10 cm dick, darauf eine Ladung Käse, die eine Großfamilie für mindestens eine Woche ernähren könnt und: Wurst. Aber nicht, was ihr jetzt erwartet, so Salami oder Parmaschinken, nein. Quasi kleine, gebratene, seltsam gewürzte Wurststücke. Manche würden jetzt sagen, yummie. Ich kann euch versichern, das ist es nicht.)

Die erste Nacht verläuft ruhig – oder auch nicht. Kommt auf den Blickwinkel an. Die beiden Camper, mit denen ich im Zimmer schlafen, haben eine sehr erholsame Nacht in den ultraweichen Betten. Ich nicht. Den beide schnarchen. Und zwar kein leises, irgendwie niedliches Mädchenschnarchen. Nein, eher eins das Bäume fällt. Da ich bei dieser Geräuschkulisse traditionell schwer meine Contenance behalte (eigentlich ein bisschen paradox, da ich manchmal selbst schnarche), höre ich Musik auf voller Lautstärke. Da man dabei ja aber auch nicht so gut schlafen kann, bin ich am nächsten Morgen entsprechend müde.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf um die „Soo Locks“ zu sehen. Da ich eigentlich keine Ahnung habe, was das ist, erwarte ich einiges und bin etwas enttäuscht, denn es ist nur eine Schleuse. Und alle sind wahnsinnig beeindruckt. Wow. Naja, danach wird es interessanter. Wir sehen uns die Tahquamenon Falls an. Atemberaubend. Mächtig. Schön. Laut. Riesig. Alt. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Die zweite Nacht verbringen wir in einem Hotel. Zum zweiten Mal ist mein iPod mein bester Freund und Lebensretter. Doch alles hat ja bekanntlich ein Ende (nur die Wurst hat zwei, jawoll mein Schatz, es ist vorbei – hach, wie sehr vermisse ich doch solch wertvolles deutsches Kulturgut) und so schaffe ich es beim Frühstück sogar vor dem ersten Kaffee meine Augen offen zu halten. Vielleicht hätte ich an diesem Tag aber lieber im Bett bleiben sollen. Er wird, nun, sagen wir, postfaktisch enden.

Wir fahren also los nach Munising um die berühmten Pictured Rocks zu sehen. Ich freue mich wirklich sehr darauf. Praktische jeder, der UP hört, sagt sofort: Pictured Rocks! Da musst du hin! Wir haben dafür eine Bootstour gebucht. Da wir relativ früh da sind, stellen wir uns schon mal an, um auch gute Plätze zu bekommen. Das Boarding beginnt, alle gehen an Deck. Außer eine unsere Camperinnen. Sie sitzt auf dem Steg und weigert sich aufzustehen. Alles Bitten und Betteln ist vergebens und die Entscheidung fällt – sie bleibt da. Da ich der einzig „verfügbare“ weibliche Betreuer bin, bleibe ich auch da.

Es gibt Situationen, in denen ist man ein bisschen verärgert. Manchmal gibt es auch welche, da ist man wirkliche sauer. Und dann gibt es meine. Innerlich koche ich vor Wut und Enttäuschung, denn ich hatte mich unendlich auf diesen Teil des Trips gefreut. Auf der anderen Seite kann ich der Camperin auch nicht böse sein, sie kann ja nichts dafür, dass sie keine Boote mag.

Ich verbringe also die nächsten 2 Stunden auf einem Parkplatz, da sie mitten auf dem Weg zu einem ersatzprogrammmäßigen Mittagessen beschließt, dass sie jetzt nicht mehr weiterlaufen möchte. Kurz bevor der Rest der Gruppe zurück kommt, darf ich mich noch mit einem Vorfall befassen, den ich hier nicht weiter ausführen, dessen Natur ich aber trotzdem kurz andeuten möchte: Shit happens.

Der restliche Tag verläuft im Vergleich dazu sehr ruhig. Wir sehen uns ein paar Wasserfälle an und fahren dann ins Hotel. Nach einer weiteren Episode von „Und täglich schnarcht das Murmeltier“ und einem spartanischen Frühstück, kommen wir schließlich zum letzten Programmpunkt unserer Reise, den ich ehrlich gesagt am Besten finde. Es handelt sich um Kitch-iti-kipi (The Big Spring). Ein friedlicher kleiner See, der so klar ist, dass man bis auf den Grund gucken kann. Das Grundwasser wird hier durch Druck an die Oberfläche gezwungen, sodass kleine Unterwasserspringbrunnen entstehen.

Den restlichen Tag verbringen wir im Van auf dem Weg zurück. Es passiert absolut nichts spannendes.

Man kann wohl sagen, dass dieser Trip nicht ganz so abenteuerlich war wie der letzte, allerdings bin ich auch die letzte, die das bereuen würde. Ich werde allerdings auf jeden Fall nochmal up north fahren – dann aber ohne Camper.

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