Das erste Fazit (3 1/2 Wochen)

Ich lebe noch. Yippie.

Wenn ich Mückenstiche auf der Stirn habe, werden sie leider immer noch so groß wie Tomaten. Da Michigan nun mal leider das Land der tausend Seen ist und stehende Gewässer bekanntlicherweise eine große Anzahl an Mücken mit sich bringen, sehe ich regelmäßig so aus, als würde sich auf meinem Kopf gerade ein neues Gebirge bilden. Da ich mir aber kein Mückenspray ins Gesicht sprayen will – vor allem, nachdem mir jemand erzählt hat, dass die dünne Haut an den Lippen davon auch gerne mal weggeäzt wird, danke auch – muss ich mir für den kommenden Sommer noch irgendetwas schlaues überlegen.

Im Büro habe ich jeden Tag mehr das Gefühl, wirklich eine Hilfe zu sein. Oft weiß ich sogar sofort, wo ich suchen muss, wenn ich etwas holen soll. Auch mit dem Englischen wird es immer besser, ich lerne jeden Tag neue seltsame Wörter. Ich fange sogar schon an, meine Selbstgespräche auf Englisch zu führen, was dann wirklich gruselig ist. Mein Keyboard an dem Laptop an dem ich arbeite hab ich aber trotzdem zu deutsch geändert – Vive la resistance! Wo wir gerade bei dem Thema sind, ich hab mich außerdem geweigert, Tampons mit Applicator zu kaufen und stattdessen zu den guten alten o.b. gegriffen – irgendwo muss die Anpassung ja dann auch mal aufhören.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin die einzige, die weiß, dass man mit einem Lichtschalter die Lichter auch ausmachen kann, wenn man sie nicht braucht.

Heute hatte ich ein Erfolgserlebnis. Ich habe einen langen Text auf ein Whiteboard geschrieben und die Schrift ist am Ende weder hoch noch runter gegangen. Hach. Es sind die kleinen Dinge, über die man sich freuen muss.

Mir ist aufgefallen, dass ich Jahr lang keine Witze zu meinem Nachnamen hören werde. Süße Stille. Dafür ist die Anzahl der Deutschenwitze bereits jetzt drastisch angestiegen. Obwohl hier Deutschland alle mögen. Sie finden uns allerdings auch komisch, weil wir Kinderlieder haben, deren Moral ist, dass man in Brunnen nicht ertrinkt, wenn man nicht hineinfällt. Tss. Kein Verständnis für Kunst & Kultur, diese Amerikaner.

Bisher habe ich noch kein Peanutbutter&Jelly-Sandwich gegessen. Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.

Kajak fahren bei Gewitter ist eine Erfahrung wert, ich weiß allerdings nicht, ob ich es so bald wiederholen möchte.

Eine kleine und etwas, äh, verschörkelte Schrift zu haben kann sich manchmal auszahlen. Vor allem, wenn man nicht das geschrieben hat, was man hätte schreiben sollen.

Ich sollte anfangen, auf deutsch zu fluchen, mein lautes „Damn it!“ beim letzten Camp kam bei den Verantwortlichen nicht so gut an.

Wenn man beim Essen gehen die Auswahl  zwischen Meeresfrüchten und Fleisch hat, nimmt man eher Fleisch, weil man das am nächsten Tag besser aufwärmen kann.

Auch wenn ich hier irgendwo im nirgendwo bin, muss ich sagen, ich mag dieses Camp. Diesen Ort, seine Mitarbeiter, seine Camper. Ich bin sehr gespannt auf all das, was mich hier noch erwartet.

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